Peer-Projekte der Medienscouts

Medienscouts - Vermittler zwischen den Welten

Ludwigsburger Kreiszeitung, 7. Juli 2012

Was für Risiken birgt das Internet und wo lauern gar Gefahren? Mit dieser Frage haben sich Jugendliche der Jugendhilfe Hochdorf in einem Projekt beschäftigt. Als ausgebildete Medienscouts geben sie ihr Wissen jetzt an andere Kinder weiter.

Kaum haben sie ihr Medienscout-Zertifikat in der Tasche, wollen A. und M: das Gelernte auch gleich in die Praxis umsetzten. Die beiden 17-Jährigen planen eine Tagesgruppe in Bietigheim-Bissingen zu besuchen, um mit den Kindern und Jugendlichen über Suchmaschinen und Spieleseiten, aber auch über sicheres Surfen im Netz zu sprechen.

Damit es kein trockenes Gelabere wird, möchten sie die Kinder auch gleich an Ort und Stelle an Computern ausprobieren lassen, wie sie über Suchmaschinen gute Spielseiten finden. Doch damit nicht genug: "Wir wollen auch die Eltern mit einbeziehen", erklärt A.. Denn auch sie sollen schließlich wissen, welche Spieleseiten gut für Kinder sind. "Und wir möchten ihnen auch zeigen, was sie am Computer daheim einrichten müssen, damit ihre Kinder auch nur auf diese Seiten gelangen können", ergänzt M..

undefined

Auch Grundschüler kennen Youtube

Einen Schritt weiter sind bereits T., V. und A.. Die dreizehnjährigen Medienscouts haben an der Hochdorfer Grundschule ein Internet-Seminar gegeben. "Wir haben in kurzen Fragebögen die Kinder befragt, was Ihnen am Internet gefällt und was ihre Lieblingsseiten sind", erzählen sie. Dabei seien sie überrascht gewesen, welche Internetseiten die Grundschüler schon kennen. Auch wenn die meisten nur auf Spieleseiten surften, hätten einige auch schon gewusst, was die Internetplattform Youtube ist, auf der man selbst Filme einstellen kann.

Genau das ist auch der Hintergrund des Medienscouts-Projekts: "Mit der Geschwindigkeit der technischen Entwicklung und dem Wissen der Jugendlichen darüber kann kaum ein Erwachsener mehr mithalten", meint Claudia Obele, die Vorstandvorsitzende der evangelischen Jugendhilfe Hochdorf. Das Prekäre daran findet ist für sie, dass man einerseits Kinder und Jugendliche, damit sie Medienkompetenz erlernen könnten, den Zugang ermöglichen muss. Andererseits müsse man die Heranwachsenden aber auch vor nicht jugendgeeigneten Inhalten im Internet schützen. Da sei das Projektangebot der Aktion Jugendschutz Baden-Württemberg (ajs) genau zur richtigen Zeit gekommen. Das Kernstück des Projekts sei, erklärt die ajs-Geschäftsführerin Elke Sauerteig, dass nicht nur die angehenden Medienscouts selbst lernen, wie sie mit Gefahren und Risiken im Internet, wie beispielsweise Cybermobbing umgehen, sondern ihr Wissen an andere Kinder und Jugendliche weitergeben.

Geht es nach Claudia Obele, sollen die zehn Jugendlichen nicht die einzigen Hochdorfer Medienscouts bleiben: "Aufgrund der positiven Erfahrungen würden wir gerne einen zweiten Durchlauf machen. Nun hoffen wir, dass sich Geldgeber dafür finden", sagt Obele. Ob ihr Wunsch in Erfüllung geht, bleibt offen. Auf jeden Fall zeigte sich bei der Abschlussveranstaltung in Hochdorf auch der Vertreter des Sozialministeriums Baden-Württemberg von den Ergebnissen des Projekts beeindruckt: "Das ist ein erfolgversprechendes Modell", kommentierte er.

Medienscouts erhalten ihr Zertifikat

undefined

Nach erfolgreicher Fortbildung von acht Jugendlichen aus unseren Wohngruppen und der Sozialen Gruppenarbeit sowie der Durchführung von drei spannenden Projekten erhielten die Medienscouts bei einem kleinen Festakt ihre Zertifikate überreicht.

Mit viel Zeit und Kraft haben sich die Jugendlichen in den letzten Monaten auf die Ausbildung zum Medienscout eingelassen und mit großem Elan am Projekt teilgenommen. Nach Abschluss der Ausbildung haben drei Gruppen eigene Projekte entwickelt, um ihr Wissen und Können als Medienscouts rund um Cyber-Mobbing u.a. praktisch und mit viel Erfolg umzusetzen. Einige dieser Projekte sind abgeschlossen, ein anderes steht kurz vor der Umsetzung.

Am Donnerstag 13.12.2012 fand in der Geschäftsstelle der Martin-Bonhoeffer-Häuser am Lorettoplatz 30 Tübingen der feierliche Projektabschluss statt.Henrik Blaich und Christiane Bollig führten kurz ins Projekt ein. Anschließend wurden die Teilnahmebescheinigungen an die acht Medienscouts ausgehändigt. Danach war ausgiebig Gelegenheit, sich über Erfahrungen mit dem Projekt auszutauschen. Es war schön zu sehen, mit welcher Energie die Jugendlichen von ihren Projekten berichteten.

Alles in allem war das Projekt ein voller Erfolg. Kommentar einer Jugendlichen: "Medienscouts ist super, Chrissi und Henrik sind klasse, die Bonnies auch!"

Quelle: Website der Martin Bonhoeffer Häuser, 20. Dezember 2012

© 2017 Aktion Jugendschutz Baden-Württemberg